Wollmantel mit Karomuster



Ein weiteres Stück aus meinem Näh-Januar. Ein Übergangsmantel. Mäntel mit Karomuster sind zur Zeit sehr modern. Auch ich fand einige Karriertestoffe, die mir gefallen haben. Diesen Wollstoff im Hahentrittmuster fand ich von den Farben her sehr attraktiv. Den Klassiker vom Muster wollte ich aber gern etwas "sportlicher, lässiger" machen. Daher die erste Entscheidung für ein Raglanschnitt und lässig von der Verarbeitung. 



Vor Jahren habe ich eigentlich Raglanschnitte gemieden, inzwischen mag die sehr. Wie so oft, bin ich auch dieses mal vom fertigen Schnitt abgewichen. Aber nicht so viel. Die Schnittvorlage hatte kein Verschluss und der Ärmel war zweiteilig. Taschen sind immer praktisch und auch diese habe ich, als Nahtverdeckte in der Seite, eingearbeitet. Außerdem habe ich diesen kragenlosen Mantel teilgefüttert.


Mein Schnitt aus der La mia Boutique Nähheft und ist eigentlich ein Sommerschnitt. Was mich aber nicht weiter stört. Es war die Schnittform, welche mir gefiel, bis aus die Position des Brustabnähers. 
In eineigen Nähbüchern und auch im Internet gibt es Anweisungen, Tipps und Ideen,  wie ein Brustabnäher versetzt werden kann. Das habe ich selbst noch nicht gemacht, hätte mich schon interessiert. Doch ich gebe ganz offen zu, zur Zeit bin ich auch minimalistisch, nicht nur beim Schnitt und Details, sondern auch bei zuschnitt und Verarbeitung. Ja, ich bin im Vergleich zu meinen Vor-Nähjahren, etwas sehr bequem geworden. Nun das liegt aber auch daran, dass mein Stofflager groß ist, mein Kleiderschrank leer. Na ja, nicht wirklich leer, aber ich kaufe seit einigen Jahren kaum noch Kleidung. Ich möchte so viel wie möglich selbst nähen, bin aber oft zu unsicher aber auch die Entscheidung fällt mir zunehmend schwerer. Das liegt sicher an den vielen Inspirationsquellen, Fast-Fashion, viele zu schnelle Trends, die ein Übermaß angenommen haben aber auch, daran, dass ich, mein Leben, mein Beruf und auch mein Geschmack sowie meine Anforderungen an die Bekleidung sich sehr geändert haben. Wenn wir fertige Kleidung kaufen, sind wir ausgeliefert und können nicht so viel selbst entscheiden. Beim selbst nähen, können wir alles selbst entscheiden. Von Stoff, Farbe, Schnitt über die Verarbeitung, die Proportionen, Details und und und. Ich finde das Toll, aber es ist auch schwer, genau herauszufinden was man mag, was ich mag besonders an mir.  An anderen sehen so meine Teile unglaublich schön aus, doch oft passt es zu eigenen Stil oder Körperstatur nicht. 

Zurück zum Mantel. Der Schnitt ist wirklich überraschend gut. Die Brustabnäher fallen kaum auf. Am Anfang fand ich den Ausschnitt zu weit, jetzt habe ich mich daran gewöhnt. Ich mag die Farben, insbesondere weil ich kein grauen Mantel habe (hatte). Der Schnitt ist nicht zu eng, aber auch nicht zu weit. Ich konnte sogar eine dünne Steppweste drunter anziehen. Auch mit einem Bouclé Blazer hat es funktionierten. Das liegt an den Raglanärmeln, würde ich jetzt behaupten. 

Manchmal ärgere ich mich, dass ich kein Beleg vorn eingearbeitet habe, dann gefällt es mir wieder, dass der Mantel so leger fällt. Je nach dem was ich trage. Ich mag die durch Bügeleinlagen versteiften Stoffe nicht so gern. Daher versuche ich zu experimentieren, wo ich auf die verzichten kann. Bei diesem Mantel habe ich diese nur als Verstärkung für die Knopflöcher verwendet und auch unter den Knöpfen. Die Knopflöcher habe ich nicht nach einer Vorgabe von Abstand gewählt, sondern diese in das schwarze Muster eingearbeitet, weil ich eine Art unsichtbare Knopflöcher machen wollte. Es ist auch gut gelungen, wie ich finde. Um den Mantel schön leicht zu gestalten, wählte ich Knöpfe aus Kunssstoff. Die zufällig und glücklicherweise auch schön zum Hahentrittmuster passen. 

Falls sich jemand Fragt, warum ich den Ärmel, der als Zweiteiligerschnitt vorgesehen war, als Einteiligen vernäht habe, dann ist die erste Antwort, das Muster. Aufgrund des Musters. So hätte ich beim Nähen besonders acht geben müssen, dass das Muster schön aufeinander trifft. Das entfiel, sowie die Tatsche, dass ggf. die Nahtzugabe zu wulstig wäre und sich durchdrücken würde. Das entfiel auch. Na ja und so konnte noch die Nahtzugabe eingespart werden, also 3 cm weniger Stoffverbrauch. Bei dem dünnen Oberstoff konnte ich daher den Abnäher gut ausbügeln. Ich könnte mir vorstellen, dass der zweiteilige Ärmel bei dicken Stoffen sicher besser wäre, da sich hier die Nahtzugabe kaum durchdrückt. Und sicher sind auch viel die nicht gern Abnäher nähen, für die ist auch solche eine Naht besser. Für mich zählte die vereinfachte Arbeit beim Nähen mit Muster. Sonst habe ich nicht viel darüber nachgedacht. Einfach den Schnitt aufgelegt, zusammen gesetzt und los geschnitten. 

La mia Boutique Nr. 7/2016



Den Karostoff, doppellagig, habe ich vor dem Zuschnitt abgedämpft und dann mit vielen Stecknadeln, mit bunten Glaskopf (die bleiben stecken und verschwinden nicht) quer und längst fixiert. So ist der Stoff sowohl unten wie oben gleich ausgerichtet. 




Zur Zeit teste ich ein Stift, der auch gelöscht werden kann. 
Besonders gut geeignet, wenn man sich beim Markieren vertan hat. 
Auf dem Wollstoff hat es super funktioniert. Schaut selbst.





Die liebste Nähbeschäftigung ist das Drapieren und Gestalten. 
Ob mit Stoff, fertigen Schnittteilen oder Kurzwaren. 
Nähen an der Maschine mache ich dagegen nicht so gern. 


Doch wie so oft, nähe ich für mich und ich bin zur Zeit sehr dezent und minimalistisch unterwegs. Also ganz nach dem Motto "weniger ist mehr". Wobei es schon sehr in den Finger gekribbelt hat noch mehr von dem schmalen Viskose Ripsband zu verarbeiten. Es ist dann doch nur ein Streifen geblieben. Der verdeckt die Webkante, welche einen leichten Rosastich hat. 


So schau der Raglanärmel mit dem Abnäher aus. 
Das hat bei dem Wollstoff und der dicke sehr gut funktioniert. 
Bei dicken Stoffen bin ich mir nicht sicher, ob das mit den Abnäher so gut wäre.


Das ist meine Teilfütterung. Sicher gibt es auch einen Fachbegriff dafür. Ich kenne den nicht.
Oft bei Sommerjacken/Blazer zu sehen. Ich habe leider erst später gesehen, dass mein Futterstoff
im Bruch etwas ausgeblichen ist. Tja, das kommt davon, wenn die Futter/Stoffe so lange hier lagern.
Egal. Aus Zeitmangel habe ich einfach weiter genäht, denn ich war mir nicht sicher ob diese Teilfütterung funktionieren wird. Also machte ich vorerst weiter. Mir würde sicher noch was einfallen
wie ich ggf. den Streifen überdecken kann. Futter war ja tadellos nur etwas ausgeblichen. 


Und ja, die Lösung.... ein Stück von dem Ripsband einfach auf die erste Lage des Futterstoffes genäht. Damit ist die Verfärbung überdeckt und sieht fast wie "geplant" aus ;) Zusätzlich noch ein kleinen Aufhänger genäht. Für den Notfall, denn ich bevorzuge Bügel oder Stuhllehne.




Der Mantel hat mich sehr positiv überrascht, vor allem wie kombinationsfreudig dieser ist.
Schade, dass es zur Zeit so kalt ist, bei den warmen Temperaturen habe ich diesen 
getragen, jedoch für längere Spaziergänge ist dieser trotz Kaschmirkleid und Steppweste zu kalt.
Wir werden dann auf den Frühling warten. 


Schönen Me Made Mittwoch!  

Kommentare

  1. Der Mantel fügt sich sehr schön in Deine Garderobe. Ich mag diesen klassischen Stil mit durchbrechenden Details auch gerne. Ich finde auch Deine Gedanken zu Trends und Entscheidung interessant. Als Selbstnäherinnen können wir ihnen auch nicht entfliehen, sondern uns nur etwas befreien. Wie weit und wohin, ist die Frage, die ich auch jeden Tag neu zu beantworten suche. Viele Grüße, Mitheissernadel

    AntwortenLöschen
  2. ich habe selten so gut sitzenden raglan und so perfekt fallenden rücken dabei gesehen.
    super!
    der mantel und der schnitt stehen dir ausgezeichnet!!
    sehr schöne dekor-arbeit.

    AntwortenLöschen
  3. Ein ganz zauberhaftes Teil , vor allem zum Kleid. Spannend auch das Teilfutter - so etwas habe ich noch nicht probiert. Dieser Mantel wird ein traumhaftes Frühlingsteil!
    Liebe Grüße von Ina

    AntwortenLöschen
  4. Hallo liebe Anita!
    Das sind sehr schöne Outfits! Der Mantel sieht super aus, steht Dir ganz hervorragend!
    Kompliment und liebe Grüße
    Carolin

    AntwortenLöschen
  5. Ich finde, du hast ein gutes Händchen bei der Auswahl der Schnitte, die du für dich nähst.
    Der Mantel sieht sehr edel aus und passt dir wunderbar.
    LG von Susanne

    AntwortenLöschen
  6. Eine sehr schöne leichte Jacke, vor allem mit dem Strickkleid gefällt es mir gut. Jacken ohne Kragen mag ich persönlich nicht tragen, es zeiht am Hals (meistens jedenfalls) und darum bastel ich mir an kragenlose Schnitte meist einen kleinen Stehkragen. Dein Stoff gefällt mir sehr. LG Kuestensocke

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts