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Ein Rock ohne Schnittmuster

Hallo!

Es war mal dieser Stoff.
So schön und doch so kompliziert. 
Was soll man aus diesen Quadraten machen.
Vor allem, weil es so unterschiedliche Motive sind
und zudem auch farblich extrem - in meinem Augen - hervorstechen.




Diesen Stoff habe ich gefühlte 1000 mal in der Hand.
Immer wieder hin und her drapiert. Nichts hat mich überzeugt.
Aufgeben war keine Option, denn die Farben sind so schön!

Das Material ist leichte Baumwolle mit etwas stand. 
So leuchtende Farben und raffinierte Muster
- da muss sich doch was finden!?!?!?

Zu den Farben: Schwarz mit unterschiedlichen Gold-Camel-Cognac-Beige,
dann Türkis, Königsblau und Grün (Smaragdgrün) Das Muster Blumen, Ranken, Leopard.


Die Entscheidung fiel auf ein ROCK
und die ersten Drapierungen haben begonnen.

Aber...... schaut selbst.


Und?!?!
Genau - sieht aus wie eine angenähte Schürze.
Das ist nicht wirklich das, was ich mir vorgestellt habe.
Nach ein paar Tagen, ist die weitere Entscheidung gefallen.
Das grüne Quadrat wird gegen ein schwarzes ausgetauscht.

Und schon geht es weiter mit den Entscheidungen. 
Welche Kante?



Wie zusammennähen.
Mit oder Ohne Relief-Kante?!


Die Entscheidung:
Ohne Relief und alle aus gleichen Muster
und das schaut dann so aus. 
Drei Quadrate und NUR drei Nähte. 
Eine Naht hinten und zwei vorn.
Problem es ist immer noch Rechteckig. 

 


Die ersten Versuche mit Falten und für Hinten evtl. gerafft mit Gummi.


Oder vielleicht doch mit Falten?!


Das Gummiband ist schnell aus dem Rennen gewesen. 
Raffungen machen echt dick und von dem schönen Muster ist nichts mehr zu sehen.

Die Falten für Vorn waren schnell gefunden. Leider konnte ich mich noch enscheiden wie die Falten hinten gelegt werden sollen, also habe ich erstmal weiter gemacht mit dem Saum und dem Reißverschluss.
Die Länge ist schon echt knapp bemessen bedingt durch das Muster.
 Also entschied ich mich für ein Paspelband in der Farbe Petrol 
und für innen ein 1 cm breites Ripsband als Abschlusskante. 

Vorteil a) schöne Abschlusskante und b) etwas mehr Form 
- ähnlich einem Reifrock, aber nicht so steif. 

Das Ripsband wurde dann an den Rock angenäht. Ein nahtverdeckter Reißverschluss 
wähle ich in der Farbe camel aus und habe es einfach passend gekürzt.

Habe hier nur 60-er und 40-er Reißverschlüsse. Den 40-er kann ich gekürzt auch dann 
für Hosen und Röcke verwenden. Der 60-er ist immer für Kleider. 

Der Kunststoff ist so weich, dass ich den Reißverschluss am Ende nicht mit einem Stoff
umgenäht habe, sondern so belassen. Für die Optik wäre es aber schöner;) 




So die Falten wurden dann mal unterschiedlich gestaltet. 

Ich möchte aber auf eines Hinweisen. Der Rock hat keinen Schnitt
und diese Falten wurden an meinem Körperbau angepasst. 

Was meine ich damit?!

Nun ich habe keine runde Hüfte, so dass auf einen Seitlichen abnäher verzichten konnte.
Dafür benötige ich mehr weite hinten. Also ich habe einen ausgeprägten Hintern.

Hier zeige ich euch ein Foto aus einem Lehrbuch, ich glaube es war das
Bekleidung Schnittkonstruktion für Damenmode: Grundlagen Band 1
welches ich vor 3 Jahren mal durchgeblättert habe und auf diese Zeichnung gestoßen bin.

Übrigens, bei allen 3 Abbildungen haben die Frauen den gleichen Hüftumfang
und doch würde ein Rock an jeder anders von der Passform sitzen. 

Für den Schnitt ist aber nicht nur der Hüftumfang wichtig, sondern die Körper-Form.
Auch Burda fragt bei den Modellen nach Maß, wie der Körperbau ist. Hier sollte wirklich nicht geschummelt werden ;) Schaut euch das mal im Heft an.

Das ist wichtig, weil so die Abnäher und evtl. Seitennähte anders gesetzt werden müssen.

Wir haben alle so unterschiedliche Rundungen.

In meinem Fall, benötige ich mehr Stoff für den Rock hinten und andere Abnäher. 
Am Ende werdet ihr sehen wie ich die Falten für den "dicken" Po gelegt habe.
Vorn anders als hinten. Je nach Rundungen angepasst ;)


Bei dem Schnitt für das blumige Jerseykleid, 
schaut mal hier:  blumige Jerseykleid 
habe ich das Kleid fast grade schneiden müssen. - Schade um das schöne Muster
Zum Glück ist der Stoff dehnbar, denn das was ich an Kurven weggenommen habe,
fehlte mir dann am Po:) Inzwischen weiß ich dass ich etwas anders vorgehen muss. 
Aber ich hier noch viel zu lernen habe. 

Das war eine Wichtige Information für euch,
denn wenn Ihr auch mal aus einem Rechteck ein Rock nähen wollt,
dann geht es nicht immer so, wie ich hier verfahren habe. Bei einer runden Hüfte,
muss ein Abnäher, da hier die Seitennaht fehlt, eingearbeitet werden, sonst wird es zu eng.
Schaut euch die Grafik noch mal an, und den Text an der Seite. 
Das ist eine Wichtige Info auch für Hosen!

Nun weiter im Prozess. So schaut der Rock aus. Was fehlt? Genau, der Bund.
Da ich bereits beim einnähen des Reißverschlusses noch nicht genau wusste, 
ob ein sichtbarer Bund, oder kein Bund sowie welche breite der Bund haben wird,
habe ich den Reißverschluss nur bis zur Kante genäht. 

Wieder mal wurde ein Projekt von unten nach oben genäht. 
Eigentlich wird der Saum als letztes genäht, bei mir kommt es schon mal vor,
dass es anderes verläuft ;) 



Na ja, dann geht es wieder weiter mit dem Bund. 
Ganz ohne sah es so überhaupt nicht gut aus.
Nach vielem hin und her, 
welches Muster am Bund zu sehen sein soll (Nur Grün, Halbe Blume usw.) ,
tauchte ein weiteres Problem auf, die Symmetrie. 
Viele denken jetzt - das ist doch kein Problem!
Nun für mich schon. Es ist so, dass die Blume, 
welche ich als die Mitte erachtet habe,
ist tatsächlich nicht die Mitte und die Falten wurden auf den Körper drapiert. 
Mangels Seitennähten passt der Bund mit den vielen Blumen 
nicht mehr PERFEKT zusammen. Nach einer kleinen Enttäuschung, 
habe ich mich wieder zusammen gerafft und sagte mir,
"Perfekt ist niemand und Symmetrisch sind wir auch nicht"
also was macht es schon aus, dass es um ein paar Millimeter abweicht?! 
Also wurde der Bund so aufgelegt, 
damit vom Reißverschluss zu Reißverschluss 
keine Reliefkante auf der rechten Seite zu sehen ist. 

Jetzt ist die Naht, welche zwei Muster zusammen genäht hat, 
nicht genau in der Mitte. Egal, so muss es jetzt sein, 
anders geht es nicht und sooooo genau schaut dann eh keiner mehr hin.



Hier ist es schön zusehen, was ich meine. Wenn ich in der Mitte beginne, 
passt es am Reißverschluss nicht mehr. Was habe ich hierbei gelernt?
Vorher die Muster ausmessen, wo die richtige Mitte ist und nicht einfach vermuten.
Kontrolle ist besser ;)



Im Nahtschatten wurde der zuvor mit Vlieseline verstärkte Bund mit den Stecknadeln fixiert.


Die Rückseite überprüft.


Und ganz wichtig! Die Breite und Höhe im bereicht des Reißverschlusses mit einander abstimmen.
Bei einem Schnittmuster entfällt dieses Arbeit, aber hier habe ich kein Schnitt, so dass ich hier genau schauen musste. Es ist nicht ganz 100 % doch, die Abweichung ist so minimal, dass es kaum noch Auffällt und inzwischen macht mich das auch nicht mehr Nervös. 


Das letzte was fehlt, bedingt dadurch, 
dass der Bund höher ist, als das Ende des Reißverschlusses, ist ein Verschluss.

Ich liebe unsichtbare Nähte und Verschlüsse. So wähle ich ein Hacken & Ösen Verschluss. 
Diesen habe ich dann so eingenäht, dass kaum noch was davon zu sehen ist. 
Die Funktion ist nicht gestört, eher im Gegenteil, es lässt sich besser Schließen. 

Meine ungeduld bei den Handarbeiten ist noch gut zu erkennen. Keine sauberen bzw. akkuraten
Stiche, aber dieses sind nicht sichtbar - das was mein Ziel :))))
Mit jedem weiteren Projekt, mit mehr Handarbeit und Handstichen wird es besser. 
Ich kann es so nachvollziehen, dass die Auszubildenden erstmal viel Handarbeit durchführen müssen.
Hier ist das Motto "Üben üben üben..." Zum Glück könnt ihr nur dieses sehr nahen Aufnahmen sehen und so genau schaut nun wirklich keiner hin:)
Na ja und diese Arbeit kann keine Nähmaschine der Welt ;)


JA, vielleicht hätte ich eine andere Farbe für den Garn wählen sollen, 
doch wie gesagt, das sieht man wirklich nicht so genau, denn das ist eine NAH-Aufnahme.





Nach dem Verschluss fertig war, wurde die letzte Naht mit der Nähmaschine genäht.
Dafür habe ich den Reißverschluss-Nähfuss verwendet. Natürlich habe ich den Heftgarn
vom Reißverschluss auch noch entfernt - typische Restarbeiten ;)


UNGALAUBLICH!!!

Es ist vollbracht - Der Rock ist fertig und ich bin so HAPPY. 
Ich liebe das Muster nach wie vor und es erinnert mich extrem an 
ein BAROCKES Muster. 

Ich liebe die Farben und die Abschlusskante aus dem Paspelband
wirkt so filigran und kaum zu sehen. 



So, das war mal wieder für einen sehr simplen Rock
mit keinem Schnitt sehr viel Text und Bilder. 

Dieses Muster war schon wirklich eine Herausforderung
und es hat mir, obwohl es viel Zeit benötig hat,
sehr viel Spaß bereitet. 

Ich hoffe ich habe euch nicht überladen mit diesem Beitrag
und es euch trotz des vielen Textes und Bildern gefallen hat. 

Demnächst zeige ich euch wie der Rock getragen ausschaut
und wie ich es Stylen würde. 

Viele Grüße, Anita

Kommentare

  1. Der Rock sieht super toll aus und die Entstehungsgeschichte fand ich total interessant und aufschlussreich...falls ich jemals in die Versuchung komme, hoffe ich mich daran zu erinnern und dann Deinen Gedankengängen folgen zu können.
    liebe Grüße Jacky

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Vielen Dank liebe Jacky!
      Es freut mich, dass Dir der Beitrag gefallen hat.
      Ich denke, die Information mit den unterschiedlichen Körperbau ist die Wichtigste.
      Schönen Abend und liebe Grüße Anita

      Löschen
  2. Hallo Anita,
    der Rock ist Dir toll gelungen. Ich kann nur die Geduld bewundern. Ich glaube, ich hätte viel eher die "Segel gestrichen". Mit gefällt am besten die Version dunkle Jacke mit Wildlederstiefeln (nächster Post).
    Ich hab aber noch eine Frage/Anregung/Hinweis: In einem früheren Post hast Du bedauert, dass so wenige Kommentare kommen. Vielleicht kennen ja zu wenig Leute Deinen Blog. Das wäre schade, denn Du gibst Dir unglaublich viel Mühe!!! Hast Du denn schon mal daran gedacht, beim MMM-Me made Mittwoch mitzumachen? Du machst so tolle Sachen und dokumentierst die Arbeitsschritte so aufwendig.
    Ich schau immer wieder gern vorbei. Liebe Grüße Iris (ohne Blog)

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